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Ein Plädoyer für die Frau am Bau

19.10.2020, Lesezeit 4 Minuten
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Der Mangel an Frauen in technischen Berufen wird zunehmend zur betriebswirtschaftlichen Herausforderung.

Laut Umfrage des Bau- und Immobilienreports (03/2019) liegt der Frauenanteil in der ersten und zweiten Führungsebene bei sieben von siebzehn teilnehmenden Unternehmen unterhalb von elf Prozent. Nur ein einziges Unternehmen schafft es auf vorbildliche fünfzig Prozent, und das trotz ambitionierter Projekte wie „Power Girls“, die Mädchen bereits im Schulalter für die Technik begeistern sollen. Was also läuft schief in der Bauwelt?

Dass sich ein höherer Frauenanteil positiv auf die Zusammenarbeit im Team auswirkt, bestätigen auch führende Persönlichkeiten der Bauwirtschaft. Verschiedene Sichtweisen und Herangehensweisen von Männern und Frauen, Wertschätzung und Empathie führen in gemischten Teams zu dynamischen Prozessen, die sich sehr positiv auf das Gelingen von Projekten sowie die Zufriedenheit am Arbeitsplatz auswirken. Nicht nur deshalb liegt es im Interesse der Baubranche, in Sachen Frauenanteil zuzulegen. Nach Einschätzung der meisten Experten gibt es schlicht zu wenige technische Fachkräfte, weswegen gezielte Frauenförderung zur betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit wird.

Frauen als frühe Vorbilder

Das Interesse für einen Beruf fängt bereits in der familiären Prägung an. Wer eine Oma hat, die in den späten 1940er Jahren allein auf weiter Flur unter den männlichen Technikstudenten war, hat von klein auf Geschichten erzählt bekommen, wie ungewöhnlich sich das damals zutrug. Unter vielen Männern einen Beruf zu erlernen, der laut vielfacher Bemerkungen „eh nichts für Frauen sei“, war zweifellos ein schwieriges Unterfangen. Achtzig Jahre später entscheiden sich teilweise mehr Frauen als Männer für ein technisches Studium und absolvieren dieses auch erfolgreich. Dennoch braucht es offenbar noch mehr Zeit, um den Gendergap zu schließen.

Dabei geht es weniger um die Schaffung von Quotenplätzen, sondern vielmehr um Vorbildfunktion. In der heißen Phase der Berufsorientierung blicken nach wie vor nur wenige Jugendliche über den Tellerrand. Die Berufe der Eltern und des Bekanntenkreises haben während der Kindheit geprägt. Entweder man strebt genau das an oder möchte ebendiesen Beruf in Kenntnis der Schattenseiten von vorneherein ausschließen. Was bleibt, ist ein eingeschränktes Sichtfeld. Trotz zahlreicher Initiativen der Wirtschaft, in die Schulen zu gehen und Jugendliche schon früh über ihre Möglichkeiten aufzuklären, bleibt oft die Prägung durch das Elternhaus und dessen Bekannten- und Verwandtenradius.

Daher scheint es wichtig, dass die Frau am Bau präsenter und, wenn man so will, selbstverständlicher wird. Ergreifen wir zusammen – Frauen und Männer – die Initiative für mehr Frau am Bau, weil es uns alle gemeinsam weiterbringt.

Wege zum Erfolg

Aber wie soll das bewerkstelligt werden? Anzusetzen ist bei der Attraktivität des Arbeitgebers. Da spielen Anliegen der Mitarbeiter hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine wichtige Rolle. Diese mit beruflichen Herausforderungen in Einklang zu bringen, wird mit langfristig einsatzbereiten Mitarbeitern belohnt. Dabei scheint es zuvorderst wichtig, offene Gesprächsrunden zuzulassen und die Themen der Gleichstellung ernst zu nehmen.

Es braucht sowohl betriebliche als auch kollegiale Unterstützung, um Frauen am Bau zu fördern. Sei es, um den nächsten Karriereschritt zu schaffen oder Mutterschaft und Beruf vereinen zu können. „Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass auch anspruchsvolle Aufgaben in Teilzeit oder flexibler Zeiteinteilung bewältigt werden können, sofern es der Arbeitgeber vertrauensvoll zulässt“, meint Diplomingenieurin Gabriele Moschnitschka, Immobilienentwicklerin bei Swietelsky-Developments und Mutter von zwei Kindern. Kinderbetreuungseinrichtungen, Eltern-Kind-Büros, in die man das Kind mitbringen kann, wenn die Betreuung einmal nicht anders gewährleistet werden kann oder Möglichkeiten zur Teilzeit- oder flexiblen Tätigkeit erleichtern den Alltag, doch was Menschen aufbaut und zum Weitermachen anregt, ist der soziale Rückhalt. Frauenförderung braucht transparente Kommunikation, familienfreundliche Planbarkeit und vor allem ehrliche Ermutigung, bewusste Förderung, aber keine Bevorzugung.

In einer Gesellschaft, in der das menschliche und atmosphärische Umfeld im Job immer bedeutender wird, müssen auch Arbeitgeber in der Baubranche darauf achten, ihre Mitarbeiterinnen im Betrieb zu halten. Das begleitende Angebot von Mentoring- Programmen für Frauen könnte so ein Weg sein, das Miteinander zu festigen. Dann stärken starke Frauen in Vorbildfunktion Frauen, die diese Ziele auch erreichen wollen und können. Selbstverständlich können auch innovative, mutige Männer als Mentoren und Vorbilder für Frauen dienen, die ihnen auf ihrem Weg leitend und ermutigend zur Seite stehen.

Jedenfalls gibt es sie doch, die weiblichen Vorbilder in der Bauwelt. Nicht nur die Technikerinnen, sondern auch die zahlreichen kaufmännisch Tätigen – denn der Frauenanteil im baukaufmännischen Bereich liegt zumeist bei über 50 Prozent und erreicht sogar Spitzenwerte bis zu 88 Prozent. Da haben Technikerinnen auf den Baustellen und im Büro noch einiges an Aufholbedarf. Die Swietelskys möchten Frauen am Bau auf ihrem Weg zum Erfolg unterstützen.

 Mag. (FH) Isabella  Schöndorfer

Redaktion

Mag. (FH) Isabella Schöndorfer

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 DI Gabriele Moschnitschka

Reportage

DI Gabriele Moschnitschka

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