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Ein Tauchsport-Eldorado in Wien

17.06.2021, Lesezeit 6 Minuten
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Österreichs Unterwassersportler haben eine neue Pilgerstätte. Auf 1350 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche bietet DIE TAUCHSCHULE alles, was ihren Puls höherschlagen lässt.

Im 23. Wiener Gemeindebezirk entstand kürzlich ein erstaunliches Gebäude. Nicht nur wegen seines spektakulären Entwurfes durch die X Architekten, sondern weil man es wohl in Österreich kaum vermuten würde. Es ist eine der modernsten Tauchschulen Europas, weit entfernt vom nächstgelegenen Meereszugang. Errichtet wurde sie von Andreas Brustmann, Bau-Insidern auch bekannt als Miteigentümer der Swietelsky AG, in der er seit 2014 nicht mehr operativ tätig ist. Brustmann änderte damals seine Karrierepläne und machte das Hobby zum Beruf. In den letzten Jahren entwickelte er sich zu einem der international besten Tec-Taucher. Für die Laien unter uns: Das sind Leistungssportler, die mit zahlreichen verschiedenen Atemgasflaschen an die hundert Meter tief tauchen und dabei jede Minute hochkonzentriert ihr Equipment bedienen, um den für Menschen lebensfeindlichen Bedingungen unter Wasser zu trotzen. Sie machen das beispielsweise, um in Höhlen vorzudringen, die bisher nur wenige gesehen haben, um aquatisches Leben zu erforschen, aber auch weil sie die Grenzerfahrung fasziniert. Ans Limit zu gehen, in ein anderes, dunkles sowie mitunter beengtes Universum einzutreten und die aufwendige Technik dabei jederzeit zu beherrschen, fasziniert Brustmann so sehr, dass er es liebend gerne auch anderen Menschen beibringt. Aber nicht irgendwie, sondern auf die erdenklich beste Art und Weise.

Mit größter Akribie hat der visionäre Unternehmer daher in zweijähriger Vorarbeit eine Tauchschule projektiert, die nach zwölfmonatiger Bauzeit kürzlich fertiggestellt wurde. Persönlich wie professionell wird er dabei von seiner Gattin Bianca unterstützt, die sich um kaufmännische Angelegenheiten kümmert. Mit der Neuerrichtung von zwei oberirdischen Geschoßen, einer Außenanlage mit zwei Sickermulden und neun Parkplätzen kann das Dreamteam als einziger Anbieter in Wien alle Leistungen an einem Ort erbringen. DIE TAUCHSCHULE, wie sich die Marke nennt, hat nämlich auch einen eigenen Pool mit einer Tiefe von fünf Metern für Schulungszwecke errichtet. Im Erdgeschoß befindet sich neben diesem Lehrbecken und den dazugehörigen Nebenräumen wie Umkleiden, Sanitärbereiche, Lager und Technikräumen auch ein Meerwasser- Aquarium, ein Shop und ein Fotostudio. Im Obergeschoß sind Schulungsräume, Büros, Aufenthalts- und Sanitärbereiche untergebracht. Die verbleibenden unbebauten Flächen wurden begrünt oder als Abstellplätze für PKWs nutzbar gemacht.

Bauleiterin Eva Sadler von der SWIETELSKY-Filiale Hochbau Wien erläutert Besonderheiten des Gebäudes: „Auffällig ist die Cortenstahl-Fassade. Darin wurden von Hand gezeichnete Luftblasen, wie sie Taucher unter Wasser abgeben, ausgespart. Die Dachkonstruktion besteht aus einer StB-Decke. Da die Schräge der Decke im Gebäude sichtbar sein sollte, wurde im Gefälle geschalt und betoniert. Für den fünf Meter tiefen Pool war eine besondere Baugrubensicherung mittels Spundbohlen erforderlich. Der Bodenbelag in Shop und Tauchhalle wurde aus Gussasphalt hergestellt, geliefert von der SWIETELSKY-Industriebödenabteilung.“ Dieser Belag habe, so erklärt Sadler, hygienische Vorteile und sei fugenlos, wodurch sich Wartungskosten erübrigen würden. Mit der Poolabdeckung könne die Wassertemperatur zu reduzierten Kosten durchgehend auf angenehmen 28 Grad Celsius gehalten werden. Die Entlüftungstechnik sorge dafür, dass nasse Taucheranzüge innerhalb von nur drei Stunden trocknen. Equipment, das im Becken gebraucht werde, wie Pressluftflaschen und Anzüge, werde nahe am Wasser gelagert. Gleich nebenan ist die Technik zur Befüllung von Tauchflaschen. Die gibt es übrigens nicht nur indoor, sondern auch outdoor bei der 24/7-verfügbaren Selbstbefüllungsanlage, der ersten in Wien.

Ebenfalls im Erdgeschoß befindet sich der Tauchshop. Hier finden Profis und Amateure alles, was das Taucherherz begehrt, in Premiumqualität. Denn Sicherheit steht für Andreas Brustmann sowohl in der Ausbildung als auch im verliehenen und verkauften Equipment an erster Stelle. Was er nicht verleiht, ist sein Tauchbecken, für das sich regelmäßig andere Tauchschulen interessieren. Brustmann sieht es als Alleinstellungsmerkmal. Seine Kunden – überwiegend abenteuerlustige Menschen Mitte zwanzig – schätzen das Rundum-perfekt-Angebot und sind dafür gerne bereit, einen höheren Preis zu bezahlen. Perfekt ist nämlich auch die Schulungsinfrastruktur mit den beiden multimedial topausgestatteten Seminarräumen „Neutral Buoyancy“ und „Zero Gravity“. So heißen auch die beiden Boote, auf denen Andreas Brustmann seinen allerersten Tauchkurs, den Open Water Diver (OWD) absolvierte. Die Namen stehen also für den Start einer erfolgreichen Taucherkarriere. Für Anfänger wie für Fortgeschrittene wird das gesamte Kursprogramm der internationalen Tauchorganisation PADI angeboten. Dafür taucht man natürlich nicht nur im hauseigenen Pool, sondern in österreichischen Seen oder bei angebotenen Tauchsafaris im Ausland. Wer sich für die Verwendung von Kreislauftauchgeräten, im Fachjargon „Rebreather“, interessiert, kommt an Andreas Brustmann ohnehin kaum vorbei. Das ist seine Spezialität. Im Kern geht es darum, dass ausgeatmete Luft nicht in die Umgebung abgegeben, sondern im Kreislauf wiederaufbereitet und -verwendet wird. Das sei nebst anderen Vorteilen viel leiser und erzeuge keine unnatürlichen Luftblasen, die das aquatische Leben verscheuchen. „Wer damit tauchen kann, fühlt sich erst richtig wie ein Fisch im Wasser“, meint Andreas Brustmann und lädt in Schnupperkursen herzlich dazu ein.

 

Tauchprofi Andreas Brustmann im Gespräch:

„Tauchen ist überwiegend Hirnsport.“

Herr Brustmann, warum haben Sie ihre spektakuläre Tauchschule ausgerechnet in Wien gebaut, weit weg vom Meer?

Ich lebe gerne hier und habe nicht das Bedürfnis auszuwandern. Für Taucher gibt es in den österreichischen Seen zahlreiche Herausforderungen. Die Bedingungen dort eignen sich besonders gut zum Trainieren. Wer in einem See tauchen lernt, wo die Sicht sehr eingeschränkt und die Temperatur gering ist, wird es im Meer leichter haben. Mit unserem Lehrbecken und der gesamten Gebäudeinfrastruktur haben wir hier ideale Schulungsbedingungen und höchste Komfortmaßstäbe an einem Platz realisiert.

Was macht für Sie die Faszination des Tauchens aus?

Nicht nur das aquatische Leben, sondern auch das Beherrschen der Technik, die oft schwierigen Umgebungsbedingungen, die Risiken, die es zu managen gilt, aber natürlich auch die vielen spannenden Phänomene unter Wasser, beispielsweise Höhlen, Steilhänge, Wracks und Gegenstände. Tauchen fordert nicht nur körperlich, sondern ist überwiegend ein Hirnsport.

Sie gelten als Koryphäe im Tec-Tauchen. Was versteht man darunter?

Das wichtigste menschliche Gesundheitsrisiko beim Tauchen ist, dass der Druck unter Wasser alle zehn Meter um ein Bar steigt. Wir Tec-Taucher dringen in Tiefen von mitunter mehr als einhundert Meter vor oder verbleiben mehrere Stunden unter Wasser. Um das tun zu können, tauchen wir mit mehreren verschiedenen technischen Gasen anstelle von Druckluft als Atemgas. Das bringt erhöhte Anforderungen an Mensch und Ausrüstung mit sich. Es braucht ein ausgefeiltes Regelwerk, exzellente Ausbildung, Routine, Disziplin und eine aufwendige Logistik. Wir planen komplexe Tauchgänge minutengenau und arbeiten unter Wasser permanent mit der Ausrüstung.

Viele Menschen halten Haie für das größte Risiko unter Wasser.

Meistens resultieren diese Unfälle aus einer defensiven Reaktion des aquatischen Lebewesens. Sie werden also provoziert durch unbedachtes oder leichtsinniges Verhalten des Menschen. Grundsätzlich muss man wissen, dass mehr Menschen durch Unfälle mit Kühen sterben als durch solche mit Haien. Ich selbst habe bereits viele Erfahrungen beim Tauchen mit Haien gemacht, unter anderem mit einer Gruppe von etwa vierzig Hammerhaien in Ägypten. Haie nehmen elektrische Felder übrigens sehr sensibel wahr. Sie spüren über eine Distanz von zwei Kilometern, wo du bist und wie es dir geht.

Wo tauchen Sie selbst am häufigsten?

Im Rahmen der Kurse sehr oft am Erlaufsee oder an der Copacabana, einem Schottersee bei Graz, der mit der MS St. Wolfgang ein schönes Wrack birgt. Natürlich auch in vielen anderen Seen Österreichs. Im Ausland tauchen wir als Schule gerne auf Malta und in Kroatien. Persönlich liebe ich Höhlentauchreviere in Mexiko, die aquatische Vielfalt am Roten Meer, aber auch die Malediven, die Philippinen und unzählige weitere Reviere.

 Mag. Clemens Kukacka

Redaktion

Mag. Clemens Kukacka

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