Swietelsky AG
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Heißes Spektakel in Culemborg

11.04.2023, Lesezeit 6 Minuten
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Der langfristige Nutzen von Bahnbauprojekten rückt bei Anwohnerinnen/ Anwohnern und Bahnreisenden oftmals in den Hintergrund. Wie man aus einer vorübergehenden Behinderung ein öffentliches Spektakel macht, bewies SWIETELSKY Rail Benelux letzten Sommer bei den umfangreichen Wartungsarbeiten an der niederländischen Bahnstrecke zwischen Utrecht und Geldermalsen.

Vom 14. Juli bis zum 6. August letzten Jahres arbeiteten die Bahnbauprofis von SWIETELSKY Rail Benelux Tag und Nacht ohne Unterbrechung auf einem der meistbefahrenen Eisenbahnkorridore der Niederlande. In einem relativ kurzen Zeitraum von 23 Tagen wurden mit der Planumsverbesserungsmaschine PM1000 eine neue Tragschicht unter neun Kilometern Gleis aufgebracht, der Schotter recycelt und acht Kilometer Schwellen, teilweise einschließlich der Schienen, erneuert. Aufgrund der Instabilität des Gleises der Strecke zwischen Culemborg und Tricht mussten die Züge zuletzt mit deutlich eingeschränkter Geschwindigkeit operieren. Ein stabiles Gleis ist für die Sicherheit und Kontinuität des Eisenbahnverkehrs unerlässlich – daher erneuerte SWIETELSKY Rail Benelux die Strecke 2022 im Auftrag des Eisenbahninfrastrukturbetreibers ProRail. Auf einer Länge von rund 4,5 Kilometern wurde eine spezielle PSS-Doppelspurtragschicht verlegt, um das Gleis langfristig zu stabilisieren. „Wir haben mehrere Kabel und Rohre verlegt, ersetzt und für eine ordnungsgemäße Entwässerung gesorgt. Im Vorfeld dieser Arbeiten haben wir nicht nur die komplette Oberleitung und die Fahrleitungsportale, sondern auch die Schwellen erneuert“, erklärt Mathijs Grutters, Projektleiter bei SWITELSKY Rail Benelux.

Arbeiten bei extremer Hitze

Um den Zugverkehr so wenig wie möglich zu beeinträchtigen, wurde ein Großteil der Arbeiten nachts durchgeführt. Nur zweimal musste der Bahnverkehr vorübergehend stillgelegt werden: Die längste Periode betrug 23 Tage, an denen ununterbrochen gearbeitet wurde. „Indem wir die Arbeiten während der Ferienzeit durchführten, konnten wir die Störungen so weit wie möglich einschränken“, so Grutters. Die Ferienzeit hatte freilich ihre Schattenseiten, wobei der Begriff denkbar unpassend ist: Bei den Arbeiten unter der glühenden Sonne herrschten oftmals mehr als dreißig Grad Celsius – die Temperatur stieg sogar auf bis zu 38 Grad, was die Arbeit besonders erschwerte. Um allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen Erleichterung zu verschaffen, wurden in großen Mengen Wasser, Eis und spezielle Kühlwesten bereitgestellt. Das Projekt erlebte auch einige kleinere Rückschläge: So wurden beispielsweise alte Fundamente und mehrere unbekannte Objekte gefunden.

Einbindung der Bevölkerung: Vor Ort und online

Die Niederlande sind dicht besiedelt, Gleisanlagen befinden sich oft in der Nähe von Wohngebieten. Trotz verschiedener Maß nahmen zur Verringerung baustellenbedingter Unannehmlichkeiten waren die Anwohner/innen von Lärm, Erschütterungen und mehreren Umleitungen aufgrund von Straßensperrungen betroffen. Deshalb legte SWIETELSKY großen Wert darauf, die Bevölkerung zu informieren, und bezog sie sogar in die Arbeit ein. „Völlige Transparenz erhöht das Verständnis für temporäre Einschränkungen, zeigt Anrainerinnen und Anrainern den Weg zum Endergebnis und begeistert sie teilweise sogar für unsere Leidenschaft – den Bahnbau“, erklärt Rainer Spitzer, Landesleiter der SWIETELSKY Rail Benelux. Die Arbeit in Culemborg konnte sowohl vor Ort als auch online verfolgt werden. Entlang der Strecke wurden zwei designierte Stände mit Tribünen eingerichtet, an denen Interessierte die Arbeiten von einem sicheren Ort aus verfolgen konnten. Aber auch online gab es die Möglichkeit, sich über den Stand der Dinge zu informieren: Eine Webcam zeigte ununterbrochen und in Echtzeit die Bauarbeiten.

Über eine mobile Anwendung zur einfachen und effektiven Kommunikation hielt SWIETELSKY über den Fortschritt und den aktuellen Zeitplan auf dem Laufenden, wobei gewährleistet wurde, dass Wissbegierige einen guten Blick auf die PM1000 URM erhaschen konnten. So informierte SWIETELSKY etwa rechtzeitig, wann der Arbeitszug an den Ständen vorbeifuhr. Und die Menschen konnten sogar – aus sicherer Entfernung – ein Stück neben dem Zug hergehen oder -radeln. Gleichzeitig wurde sichergestellt, dass stets Mitarbeiter/innen an den Ständen anwesend waren, um Fragen zu beantworten und Erklärungen zu liefern. So sorgte das Spektakel auch bei den zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauern für aufschlussreiche Aha-Momente.

Nach der Arbeit kommt das Reisevergnügen

Dank dem Einsatz der PM1000 URM konnten die Bauarbeiten effizient und in einer verhältnismäßig kurze Zeit der Gleissperre erledigt und viel Material auf dem Gleis bewegt werden. „In einer extrem kurzen Vorlaufzeit haben wir einen Entwurf erstellt, die Arbeiten vorbereitet und ausgeführt. Unter manchmal schwierigen Bedingungen, aber mit einer großartigen Zusammenarbeit zwischen ProRail, Logitech, SWIETELSKY, Eurailpool, RTS und vielen anderen wurde dieses Projekt zu einem echten Erfolg“, freut sich Mathijs Grutters.

Auch seitens des Auftraggebers gab es großes Lob für die Abwicklung der Baustelle: „Wir sind stolz auf die harte Arbeit aller Mitarbeiter/innen von SWIETELSKY und ProRail. Der Druck auf Kolleginnen/ Kollegen und Lieferantinnen/Lieferanten war zeitweise hoch. Es freut uns, dass alle Arbeiten erfolgreich verlaufen sind und die Züge auf diesem Abschnitt wieder mit voller Geschwindigkeit fahren können. Wir danken daher SWIETELSKY für die gute Zusammenarbeit“, so Martijn Smulders, Projektleiter bei ProRail. Sämtliche Arbeiten wurden pünktlich abgeschlossen und die Strecke letzten Dezember an den Infrastrukturbetreiber übergeben. Die Unannehmlichkeiten für die Umgebung sind vorüber und machen Platz für neues, schnelleres Reisevergnügen.

Übersicht Projektablauf
  • Jänner – April 2022 vorbereitende Arbeiten: Kabel- und Rohrleitungsarbeiten, verschiedene Vermessungen und Grundlagenermittlungen, Einrichtung der Baustellen und Depots
  • April – 4. Mai 2022 erste Außerbetriebnahme des Bahnverkehrs
  • Mai – Juli 2022 Einrichtung von Baudepots, Lieferung von Material und Ausrüstung, Überwachung von Fahrleitungsportalen
  • Juli – 6. August 2022 zweite Außerbetriebnahme des Bahnverkehrs
  • August – Dezember 2022 Räumung der Baustellen und Depots, Mängelbeseitigung

Straßen- und Bauverkehr

Das Aufbringen der Tragschicht und die Erneuerung des Gleises erforderten viel Material: Gleisschotter, Schwellen, Schienen, Erde und die erwähnte PSS-Stabilisierungsschicht. Um das gesamte Material und die notwendigen Maschinen rechtzeitig auf die Baustelle zu bringen, fuhren zu bestimmten Zeiten durchschnittlich acht Lkw pro Stunde auf speziellen Baustellenrouten. Verkehrslotsen gewährleisteten an verschiedenen Stellen die Sicherheit des Straßen- und Baustellenverkehrs. Außerdem wurden alle dreihundert bis fünfhundert Meter provisorische Überholspuren entlang der Baustrecken eingerichtet. Dadurch konnten Verkehrsteilnehmer/innen und Baustellenlieferanten problemlos aneinander vorbeifahren. Die Baustraßen wurden täglich kontrolliert und gegebenenfalls Anpassungen und Reparaturen vorgenommen.

  Albert Nagy

Redaktion

Albert Nagy

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